Zeichnen lernen Blog

Der Blog-Space von Atelier Rikon

Von tiefsinnig bis satirisch – Raum für Information, Meinungen und Inspirationen / Beiträge aus der Atelier-Gemeinschaft

Entspannt zeichnen statt scrollen?

Freitag, kurz nach 17 Uhr. Der Lift hält auf der Atelier-Etage. Dann Ankommen im weitläufigen Atelier. Der Alltag mit Anrufen, Stress und Allem, was dazu gehört bleibt draussen. Das Handy darf Pause haben. Bis 21 Uhr, wenn ich möchte. Die Wirkung der Atelierumgebung setzt ein. «Hier mache ich etwas anderes», denke ich. Zeichnen hat sich noch nicht als Gewohnheit manifestiert, aber die Vorfreude ist inzwischen spürbar, auf dem Weg nach Rikon. Nach dreimal auf diese Weise am Abend entspannt zeichnen weiss ich, was es mit mir macht. Ich weiss, dass es mir hilft, runterzukommen. Ich weiss, dass es mich vermutlich ein weiteres Mal überrascht, weil ich am Ende tatsächlich wieder etwas Erkennbares auf dem Zeichenblock sehe. Das macht Spass und ein merkwürdig zufriedenes Gefühl. Es macht auch Spass, übers Zeichnen und die Welt mit anderen Menschen zu sprechen. Genau dafür gibt es im Atelier Rikon unser Freies Zeichnen & Skizzieren: ein offener Abend ohne Leistungsdruck, aber mit Raum, leiser Hintergrundmusik (wenn für alle wirklich OK), individuellen...

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Eine kleine Bewusstseinserweiterung mit Pilzen – durch Zeichnen lernen – Teil 3

Es war im Jahr 2012, als ich im Atelier von Brian Bomeisler sass, dem Sohn von Betty Edwards. Sechs volle Tage, intensiv, kompromisslos, und doch mit einer Klarheit, die mich bis heute prägt. Wir zeichneten Konturen, liessen Linien langsam über das Papier kriechen, drehten Vorlagen auf den Kopf, massen Proportionen mit ausgestrecktem Stift. Und irgendwann geschah das, was so viele in meinen heutigen Kursen erleben: Plötzlich sah man anders. Nicht mehr das, was man zu wissen meinte, sondern das, was wirklich da war. Damals begriff ich: Diese Übungen sind kein Zufall. Sie stehen in einer Tradition. Edwards hat sie gesammelt, geschärft, zugänglich gemacht. Doch die Wurzeln reichen weiter zurück.1941 erschien in New York ein Buch, das bis heute als Klassiker gilt: The Natural Way to Draw von Kimon Nicolaïdes. Seine Haltung war radikal: Zeichnen müsse man nicht theoretisch erklären, sondern durch tägliches Tun begreifen. Nicolaïdes ließ seine Studierenden die Konturen von Aktmodellen am Anfang stundenlang blind nachfahren – nicht, um schöne Bilder zu...

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Eine kleine Bewusstseinserweiterung mit Pilzen – durch Zeichnen lernen – Teil 2

Im Atelier liegen Pilze auf dem Tisch. Manche frisch gesammelt, prall, glänzend, noch mit feuchter Erde am Stiel. Andere sind getrocknet: runzelige Röhrlinge, zähe Schirmpilze, teils verformt, fast grotesk und so noch nie gesehen.Für eine Zeichnerin oder einen Zeichner sind sie kein Stillleben, sondern ein Trainingsgelände. Sie sagen: Sieh mich genau an. Jede Kerbe, jede Unregelmässigkeit, jede Kontur will entdeckt werden. Dabei macht es Sinn, klein anzufangen – zum Beispiel mit einem Pilz und verschiedenen Ansichten.Die erste Einzelfähigkeit: Konturen wirklich sehen und zeichnend nachempfinden. Klingt banal. Doch sobald man den Stift ansetzt, merkt man: Das Auge will springen. Es möchte die Linie abkürzen, glätten, vereinfachen. Ein Hut wird rund gemacht, obwohl er unregelmässige Rundungen hat, wellig ist. Ein Stiel wird gerade gezogen, obwohl er mehrere feine Krümmungen hat und nicht auf ganzer Länge gleich dick ist.In der bewusst geschaffenen Situation im Kurs ist viele Stunden lang Gelegenheit, die eigene Wahrnehmung kennenzulernen – und nicht...

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Eine kleine Bewusstseinserweiterung mit Pilzen – durch Zeichnen lernen

Vor dem Ateliereingang unter unserem grossen Baum war irgendwann im Juli plötzlich ein Pilzhut zu sehen. Dunkelbraun, dann der erwartete bauchige Stiel, die Röhren leuchtend rot. Ein Hexenröhrling. Es war auch Zeit – ein paar Wochen zuvor hatten wir die Idee gehabt, einen Wochenendkurs mit Pilzezeichnen auszudenken und anzubieten. Und dann war es so trocken, dass keine Pilze zu finden waren. Und nun dieser Hexenröhrling, ein Pilz, den ich schon als Kind gekannt hatte. Ich hatte damals nie Pilze gezeichnet, hatte sie aber - wie anscheinend vieles in der umliegenden Natur – ungewöhnlich lange angeschaut. Nach ein paar Minuten wurde mir klar, dass sich da gerade etwas verschob. Der Pilz, der eben noch selbstverständlich am Wegrand stand, wurde unter der langsamen Spur meines Stiftes zu etwas anderem: zu einer Einladung. Nicht zum Kochen – sondern zum Sehen.Vielleicht erkennst du dich darin wieder: Als Kind hast du gezeichnet. Viel und gern. Und irgendwann kam der Bruch. Es reichte nicht mehr, auch wenn Lehrer es gut fanden. Ein Pferd sollte auch wie...

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Wie würde sich dein Leben ändern, wenn du gut zeichnen könntest?

Ich selbst hatte diese Sehnsucht jahrlang tief vergraben, weil ich Angst hatte zu scheitern - aber auch, weil ich etwas entscheidendes noch nicht wusste. (Ein eher langer Artikel - lohnt sich nur, wenn du wirklich mehr über Zeichnenlernen erfahren willst)Vielleicht trägst auch du eine ähnliche unerlöste Sehnsucht mit dir herum, zwischen Job, Familie und sonstigem Alltag. Und vielleicht hast du sogar mal ein Zeichenbuch gekauft, oder sogar einen Kurs besucht, um einen Anlauf zu nehmen.Immer wieder stossen Suchende auf ein Buch, das fast schon Kultstatus hat: Drawing on the Right Side of the Brain von Betty Edwards, der vermutlich bekanntesten aber auch am meisten misverstandenen (vor allem von Kunstpädagogen) Zeichenlehrerin der Welt. Der Titel klingt vielversprechend. Auf Deutsch heisst das Buch Garantiert Zeichnen Lernen – ein Titel, den ich persönlich nicht so mag.Obwohl es wahr ist - jedenfalls wenn die Methode wirklich wie angeleitet durchgezogen wird -  klingt es für kritische Menschen unglaubwürdig, nach “Schnell reich werden”, oder “Bete...

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